Klangskulptur

Nach über 15 Jahren künsterischer Arbeit im Feld der „spatialized music“ stellte sich die Frage, wie die produzierten Raum-Klangphänomene in Lautsprecherumgebungen besser verstanden werden  können – mit anderen Worten – wie können wir Beschreibungen und Techniken entwickeln, die wissens- und wahrnehmungsbasiert zugleich sind? Künstlerisches Ziel ist die Ermöglichung selbstevidenter und anderer Erfahrungen in der Absicht einer deutlichen Differenzbildung zu ordinären technischen Klangumgebungen wie Kino, Fernsehen oder Home 5.1. Diese Suche versteht sich als eine Einladung des Hörers zur Teilnahme an einer erweiterten Ontologie der auditiven Raum-Künste im Jetzt.

Wahrnehmung war selbstverständlich immer ein Teil der Raum-Klangkomposition aber selten ein Desiderat des kompositorischen Verstehensprozesses

Was wissen wir über die Wahrnehmung in mediatisierten und medialisierten spatiotemporalen Umgebungen?

Wie können wir eine ästhetische Praxis  finden, die Raum komponiert, in dem sie Raum als Voraussetzung für sonisch-plastisches Material annimmt und damit das Ziel verfolgt, einen poetischen Ansatz in zeitgenössischer Medienkunst zu finden, um komplexe Umgebungen künstlerisch einbeziehen zu können.

Künstlerische Forschung – wie sie heute verkündet wird – erschien mir das angemessene Werkzeug zur künstlerischen Untersuchung der Situation. Aus diesem Grund wurde die Arbeit mit OSIL aufgenommen und die Kollaboration mit der Künstlerisch-Wissenschaftlichen Doktoratsschule der Kunstuniversität Graz eingegangen.

OSIL
Artistic Doctoral School

 

DISSERTATION

Im Rahmen der Arbeit werden bisher wenig erforschte elektroakustische Raum-Klangphänomene, plastic sound objects [González-Arroyo, 2012], die bei bestimmten Klangproduktionsverfahren in der Computermusik seit etwa 60 Jahren verstärkt auftauchen, praktisch und theoretisch untersucht. Hierzu wurde der Ikosaederlautsprecher, ein spezielles vom Institut für Elektronische Musik und Akustik der Kunstuniversität Graz entwickeltes Lautsprechersystem eingesetzt und weiterentwickelt. In der Mitte aller künstlerisch forschenden Bemühungen steht die Frage nach dem „Shared Perceptual Space“ (SPS), dem Raum in der akusmatischen Musik [Chion, 2009, 144], an dem sich die Wahrnehmungen der Komponisten, der mit dem Feld befassten Wissenschaftler und des Publikums hinsichtlich der dreidimensionalen Klangobjekte überschneiden. Die Forschungsarbeit versucht diesen Raum durch künstlerische Handlungen einzugrenzen oder seine Entstehung zu provozieren und durchläuft hierzu wiederholt einen dreistufigen Prozess: Im Rahmen einer Reihe von aufeinander aufbauenden elektroakustischen Kompositionen wird den plastischen Eigenschaften dieser Klangphänomene nachgegangen. Parallel zum kompositorischen Prozess wird der Versuch einer sprachlichen Fixierung verallgemeinerbarer Descriptionen der erzeugten Objekte unternommen. Hierfür wurden Recherchen zu bestehenden Terminologien und ihrer Verwendung angestellt. In einem weiteren Schritt wurde dann die Überprüfung dieser Begriffe durch den Versuch der Einordnung des eigenen kompositorischen Prozesses vorgenommen. Zudem wurde unterstützend auf ingenieurswissenschaftlichem Wege versucht, das künstlerisch erzeugte Raum-Klangphänomen durch Hörversuche, Messungen und virtuelle Modellierung nachzubilden und psychoakustisch zu erklären.

Die so verzahnt entstandenen Beschreibungen, aber auch Kollisionen von Wahrnehmungen, haben den weiteren kompositorischen Prozess schrittweise informiert und zu einem erweiterten Verständnis und einer anderen Praxis der künstlerischen Arbeit mit diesen Phänomenen geführt.

Komponieren mit skulpturalen Klangphänomenen in der Computermusik, gksh 2016.

Hierzu mirage 1-6

*González-Arroyo, Ramón. 2013. “Towards a Plastic Sound Object.” In Raum: Konzepte in den Künsten, Kultur- und Naturwissenschaften, edited by Petra Ernst and Alexandra Strohmaier, 239–48. Baden-Baden, Nomos.

*Chion, Michel, Guide to Sound Objects. Die Kunst fixierter Klaenge – oder die Musique Concrètment. Merve, 2010.

IKO_Tour2017

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