Darmstädter Ferienkurse

03.08.2014

Vortrag über Strategien, Techniken und Rätsel der Werkreihe {kA} : keine Ahnung von Schwerkraft

Gebäude-Klangkompositionen im (halb-)öffentlichen Raum

Der Komponist und Klangkünstler gksh beschäftigt sich seit 2009 mit der künstlerischen Erforschung von „Gebäude-Klangkompositionen“. Temporär leerstehende Gebäude werden in verschiedenen europäischen Städten als Klangräume genutzt, als Partituren von elektroakustischen Klangkompositionen verstanden und für Publikum erfahrbar gemacht. Dies geschieht in Form einer Werkreihe von konzertanten oder installativen Arbeiten mit und in diesen Gebäuden. Ziel der Werkreihe war und ist weiterhin die künstlerische Inszenierung bisher ungehörter und unerhörter Klangräume in leerstehenden Alltagsarchitekturen.

Einher geht die Sensibilisierung für den individuellen Klang von Bauwerken und damit von Lebensräumen. D.h. die Arbeiten entstehen an Orten, die üblicherweise einem anderen Zweck dienen oder gedient haben und die durch ihre baulichen Beschaffenheiten Ausgangspunkt bzw. integraler Bestandteil der Klangkomposition und der Präsentation wird. Die auditive „Studio- oder Galeriekunst“ soll mit der Alltagswelt (ökologisches Gefüge) konfrontiert werden.

Es geht jedoch nicht um die einmalige Erprobung einer kompositorischen Idee in einem Gebäudekontext, sondern um die sukzessive Erforschung der sich aufgrund dieser Rahmenidee ergebenden klangkünstlerischen Möglichkeiten und Problematiken an verschiedenen Orten mit ihren jeweiligen akustischen und baulichen Eigenheiten und ihrer spezifischen Geschichte mittels eines zu entwickelnden und im Prozess verfeinernden Grundinstrumentariums.

Die Vorgehensweisen bei der Annäherung an das jeweilige Gebäude (1. Begehung, 2. Raumbefragung, 3. klangkünstlerische Antwort, 4. Dokumentation) wurden in langen Probenprozessen seit 2009 festgelegt. Sowohl die Komposition als auch das Lautsprecherkonzert oder – installation sollen also nicht im für elektronische Medien gebauten Saal oder Studio stattfinden, sondern an einem Ort, der üblicherweise einem anderen Zweck dient oder gedient hat.

{kA} : LEERSTAND ALS THEMA KÜNSTLERISCHER AUSEINANDERSETZUNG

Im Rahmen der Arbeit findet eine temporäre Umwidmung eines Gebäudes statt, das als „leer“, im wirtschaftlichen Sinne nutzlos, meist über viele Jahre hermetisch gegen die Umwelt abgeriegelt, auf seinen Abriss bzw. seine Entkernung oder etwaigen Bezug wartet, gleichzeitig aber eine eigene Geschichte, Gestaltung und Atmosphäre birgt. Gemeint ist die klangkünstlerische Nutzung ehemals wirtschaftlich und sozial im urbanen Umfeld völlig integrierter Gebäude (Kanzleien, Krankenhäuser, Kaufhäuser, Hotels, Amtsstuben), die aufgrund ihrer Vergangenheit mit Formen, baulichen Ästhetiken, klanglichen Eigenheiten (Nachhall, Absorptionseigenschaften der Räume, etc.) und nicht zuletzt Geschichten aufgeladen sind. Die „Einkapselung“ im öffentlichen Raum kann mitunter Jahre dauern, die PassantInnen nehmen diese Gebäude nach kurzer Zeit nicht mehr wahr, sie verschwinden in der öffentlichen Wahrnehmung. In der Gesamtheit des bewussten urbanen Raums entsteht eine Lücke, ein Nicht-Ort. Lücken der Wahrnehmung sind Ansatzpunkte fü̈r die (akustischen) Künste, denn hier können neue Territorien beschritten und erforscht werden und grundlegende Fragestellungen (z.B. Individuum und Klang-Umwelt, (un-)bewusstes akustisches Weltbild) neu kombiniert und thematisiert werden.

 

{kA} : INSTRUMENTARIUM

Das hierfür erforderliche Instrumentarium (issit: insitu sound installation tool kit) wurde in 2009 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Elektronische Musik und Akustik (IEM) der Kunstuniversität Graz entwickelt und besteht vor allem aus einem mobilen Setup von 32 aktiven Lautsprechern, nebst D/A Wandlern, Audiointerfaces, Laptops, Stativen, Kabeltrommeln, Transport-Cases, als diskretes Mehrkanalsystem. So ist es möglich, das Gebäude sensibel und differenziert akustisch anzuregen bzw. zu bespielen.

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