faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete

von Ewald Palmetshofer

April 2011

Regie: Anna-Sophie Mahler
Bühne und Kostüme: Sophie Krayer
Musik und Raum-Klangkonzept: Gerriet K. Sharma
Dramaturgie: Regula Schröter

Robert: Thomas Frank
Anne: Pia Luise Händler
Tanja: Katharina Klar
Fritz: Florian Köhler
Ines: Verena Lercher
Paul: Leon Ullrich

“faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete” befragt, ausgehend von Motiven aus Goethes Klassiker, unsere gänzlich kapitalisierte Welt, in der das Glück, der schöne Augenblick, nur auf Kosten der globalen Mehrheit verweilt“, sagt Ewald Palmetshofer, die prägendste Stimme unter den jungen österreichischen Autoren und philosophisch-kritischer Befrager seiner Generation. „Ein ganz und gar eigenwilliger Sprachspieler, der nicht nur Himmel und Erde, sondern auch Logos und Logistik bewegt, um dem Alltäglichen beizukommen. Selbstverständlich geht es ihm dabei um Leben und Tod.“ (Christine Dössel, Jurybegründung für den Dramatikerpreis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie).


Sechs Lautsprecher sind im Zuschauerraum, der gleichzeitig auch Bühnenraum ist, sichtbar verteilt.
Dazu gestellt werden sechs bewegliche und justierbare Scheinwerfer, die von den Darstellern zur Erzeugung verschiederner Szenenstimmungen und Raumsituationen an und aus geschaltet sowie angeordnet werden. Die meisten Monologe sowie Ensembleteile haben eine eigene während der 7-wöchigen Probenzeit entwickelte Klangstimmung, die im Raum gestaffelt und angeordnet ist und der Verklammerung der Textflächen und Wortkaskaden dient. Die sechs Charaktere wurden mit individuellen Klangkompositionen ausgestattet, die aufgrund der z.T. unmerklichen Rollenwechsel, (“Er, “Sie”, Heinrich?, Grete?) eine leitmotivische Erzählweise auf einer außertextlichen Ebene erlauben. Die Lautstärke orientiert sich hier wieder am Verhältnis zwischen Zuschauergeräuschpegel und der jeweiligen Sprechstimmen, d.h. der musikalische Raum sucht sich die Nische zwischen den beiden anderen Klangsphären, die somit jederzeit verschmolzen bzw. erweiter werden können. Hierdurch wird eine akustische Übersetzung der Bühnebildidee (Zuschauerraum = Spielraum) möglich und aufgergriffen und um die Möglichkeit der vermeintlichen oder tatsächlichen Einbeziehung der Umgebungsgeräusche (Straße, Scheinwerfer, Lüftungen, Aufzüge, andere Bühnen) erweitert.

Die Lautsprecher sind in 3 Stereo-Achsen an das Bühnenbild angepasst. Hierdurch ist im Gegensatz zur üblichen “Frontbeschallung” eine sehr leise und gleichmäßige Raumbespielung in alle Winkel und Sitzrichtungen der Stuhlanordnungen im Raum möglich. Aber auch Gewichtungen und Verläufe, sowie Umspielungen und Staffelungen verschiedener Klangzonen wird möglich. Die vier Ecken des Bühnen- und gleichzeitig Zuschauerraums werden ebenso besetzt, wie das Spielzentrum durch zwei auf Stativen stehende unverhüllte Lautsprecher, die immer in mindestens einer Sichtachse durch die Mitte des Spielraums stehen, aber aufgrund der klaren Setzung, einer Gewöhnung unterliegen und somit aus der aktiven Wahrnehmung verschwinden, zumal die technischen Apparate als Wohnzimmerkulisse, Waldszene oder Laternenpfahl umgedeutet werden und somit im Spielprizip der Regieanweisung aufgehen.

“Das Lied” ist kompositorisch - ebenso wie die Grundanlage des Texts - eine Rekonstruktion, von etwas Vorgefallenem, das idiosynktratisch für eine Gedanken- und Gefühlswelt einer Generation 30+max. 5 (2011) steht. Aus diesem Grunde wurde “das Lied” als Song mit starken Anleihen bei Bands wie “Radiohead” hinsichtlich des Umgangs mit Melodieführung, Rhytmisierung, Klanggestaltung des Schalgwerks und Verzerrung des Gesamtklangbilds komponiert.
In der Mitte bleibt eine Lücke, die Stimme des Sängers fehlt. Pete York ist (leicht) zu ergänzen. Ebenso wie der Erzählstrang, der sich im Kopf des Zuschauers bzw. Zuhörers aufgrund der Rahmeninformationen selbst zusammen setzt.
Der Song ist die einzige musikalsiche Arbeit, die sich an herkömmlichen Harmonie-, Rhythmus- und Melodiestrukturen orientiert und bedient sich somit des Klischees einer “gefühlten” Musik im Sinne einer “authentischen” Haltung, wie im Text der Ausweg einer skizzierten Liebe, die wiederum klischeehaft für das Gegenbild zur durcheffektivierten, rationalen Gesellschaftsphäre steht, das - wiederum ganz Klischee - am übermenschlichen Druck der Idee von Selbtverwirklichung und Individualismus stirbt bzw. abgetötet wird.

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