Quellennachweis der Abbildungen

Elektroakustische Raum-Klangkomposition mit einem (eher klassischen) Soloinstrument (keine Geige) oder Sprecher.
2010 / 11

Ausgangspunkt für meine Arbeit ist häufig ein gefundener Klang, ein Ton, manchmal eine Tonfolge. Ich sammle aufgezeichnete Klänge und Musikfragmente, um sie auf ihre Stimmungen und Gesten hin zu untersuchen, sie als Ideen- oder Erinnerungsspeicher zu einem späteren Zeitpunkt hervorzuholen und entweder zu musikalischen Stücken zu verarbeiten oder als Ansatz für Installationen, bild- oder textbasierte Arbeiten heranzuziehen.


Wichtig ist für mich immer, eine klangliche Entwicklung - ein Fragment entwickelt sich zur Figur, aus dieser ergibt sich eine Abfolge - zu ermöglichen, die dann zu einer „natürlichen“ Grenze gelangt, wie z.B. einer Pause oder Wiederholung. Rhythmische Strukturen oder Tonhöhenkonstellationen sind auch Ergebnisse nicht nur Vorgaben. Wann eine Komposition an ihr Ende gelangt, ist im Arbeitsprozess nie gewiss. Meine Arbeitsweise ist nicht linear: Häufig entwickelt sich das Material zunächst aus einer Situation heraus eher in Richtung Anfang/Eröffnung einer Komposition, kann sich dann aber schnell zu einem Abschluss/Endteil formieren um am Ende Mittelteil zu sein, der erst jetzt einen Anfangs- und ein Schlussteil bedingen kann. Neben einem für die Komposition angelegten Klangarchiv wird sowohl Hardware verschiedener Generationen als auch diverse Computermusiksoftware verwendet. Durch Mehrfachverschaltung der Geräte, Feedbackschleifen, Resampling und eine Reihe weiterer Bearbeitungsprozesse wird eine Grundstimmung für die beabsichtigte Komposition erarbeitet, um deren klanglichen Ebenen zu gestalten.

Ausgangsidee war, mit schweren körperhaften Bassstrukturen eine Klangtopographie zu schaffen, die sowohl in Stereo erahnbar, als auch im Raum mit komplexerer Spatialisierung umzusetzen ist - eine „unebene“ Klanglandschaft, in der sich weitere Klänge wie Wanderer zurecht finden müssen. So entstand ein Geflecht aus rhythmischen, periodisch wiederkehrenden Elementen und Klangfarben, das weitere Klangbearbeitungen und erneute Setzungen auf der Zeitachse ermöglichte, sich aber auch lediglich als Schablone für weitere Strukturen heraus gestellt hat. Diese Strukturen blieben im Verlauf der Komposition bestehen, während die Schablonen in diesem Abschnitt nicht weiter verwendet wurden.

Ein weiterer Bestandteil waren Klänge aus Entwicklungsphasen früherer Stücke. So habe ich Zitate aus der Komposition Abandonee, I_LAND , der Filmmusik zu Fahle Orte und ein Zitat aus cornerghostaxis # 1 verwendet. Dieser Prozess reflektiert eine für mich sehr grundlegende und bewährte Arbeitsweise, bei der Fragmente bisheriger Kompositionen in ein Archiv einfließen, das als Bestandteil einer neuen Komposition zwischen mir Bekanntem und Unbekanntem vermittelt. Dadurch entsteht nicht nur etwas Drittes, sondern es wird auch ein noch andauernder Prozess abgeschlossen - erst in dem Moment, da eine Komposition teilweise Bestandteil eines Klangarchivs wird, ist diese für mich auch tatsächlich beendet.

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