WEREWOLF WORKLOAD
Text-Klang-Performance von Jörg Albrecht und Gerriet K. Sharma
Uraufführung am 10.11. 2011, Graz
Mit Werwolf Workload setzen Jörg Albrecht (aktueller Grazer Stadtschreiber) und Gerriet K. Sharma ihre gemeinsame Arbeit fort. Begonnen hat sie anlässlich einer Lesung im Rahmen des hörgeREDE-Festivals, einem neuen Literaturschwerpunkt innerhalb des elevate-Festivals, Graz, im Oktober 2010. Bei einer Lesung mit Musik im Kleinen Minoritensaal führten Albrecht und Sharma eine erste Version des Werwolf-Projekts auf. Die Uraufführung fand nach verschiedenen Probenzeiten, gefördert durch ein Stipendium der Kulturförderung des Landes Steiermark im großen Minoriten Saal.
Inhaltlich beschäftigt sich der Text von Jörg Albrecht (aus seinem drittem Roman, der im Frühjahr 2012 erscheinen wird) mit den Auswirkungen der Kreativwirtschaft auf die Kreativen: Sind die Creative Industries tatsächlich der erhoffe neue Wirtschaftszweig und bieten die erhoffte Zukunft für die Protagonisten? Oder verstecken sich dahinter zum Scheitern verurteilte Arbeitszusammenhänge, die den flexiblen Menschen noch mehr erbiegen?
Prekäre Lebenssituationen stehen dem Versuch gegenüber, möglichst glamourös und cool zu sein. Kein Wunder, daß bei diesem Spagat-Akt Geister geweckt werden: Des Nachts verwandeln sich die Figuren aus Albrechts Text in Werwölfe, die Aggressionen darüber ausleben, daß das Versprechen von Selbstverwirklichung in einer freien Gesellschaft nicht zu realisieren ist. Erzählerische Parts und Episoden über konkrete Jobs wechseln sich ab mit Dialogen, Interview-Sequenzen und essayistisch-analytischen Beobachtungen. Bei der Performance liest Jörg Albrecht aus Werwolf Workload selbst – live und in aufgezeichneter Form.
Der diskursive Ansatz des Textes wird durch die stark raumbezogene Klang-Komposition von Gerriet K. Sharma konkretisiert und ergänzt. Zur Klangerzeugung werden dabei analoge und digitale Klangerzeuger verschiedener Generationen (z.B. Moog, Grammophonnadel, Tape-Echo, Pedals) aber auch mikrofonierte und aufgezeichnete Alltagsgeräusche verwendet.
Ähnlich wie der Text, der sich aus recherchiertem Material speist, entsteht auch die Musik aus Fragmenten und Artefakten von Songs, Orchesterstücken, O-Ton-Mitschnitten und Aufnahmeunfällen. Durch Mehrfach-Verschaltung, Feedbackschleifen und Live-Sampling entsteht so (teils vorproduziert, teils erst im Moment der Performance) ein dichtes Sound-Gewebe.
Gerriet K. Sharmas Arbeit beschäftigt sich mit der Veränderung und Okkupierung der Wahrnehmung durch einen medial beherrschten Alltag – was sich wiederum in der Arbeitsweise Albrechts spiegelt.
Daher sind diese Medien mit ihren Geräten, Sprachen und Phantomen auch gleichberechtigte Mitspieler in der Performance: Zu Beginn der Performance wartet bereits eine Ansammlung von Lautsprechern und Abspielgeräten auf die Zuschauer. In diesem Aufbau bewegen sich Gerriet K. Sharma und Jörg Albrecht zwischen einzelnen Stationen hin und her – das Publikum immer um sie herum sitzend, wahlweise stehend. Ein Teil der Soundanlage sorgt für eine Grundbeschallung, einzelne Lautsprecher bespielen aber auch nur bestimmte Punkte im Raum (etwa gegen eine Wand oder gegen den lesenden Autor gerichtet). So sollen die verschiedenen Ebenen des Texts und seine Stimmen durch ein eigenständiges Beschallungs-System im Raum aufgeschlüsselt und erfahrbar werden. Sämtliche Technik (Audio, Licht) wird von den beiden Künstlern selbst bedient, wobei diese spielerisch gestalteten Momente des Umgangs mit den Geräten ein integraler Bestandteil der Performance sind.